„Sei authentisch“ lautet ein wichtiges Credo im Social Web. Nur ein authentischer Auftritt – so die allgemeine Annahme – macht den Absender  glaubwürdig und verleiht ihm eine Art „Echtheitszertifikat“. Aber ist  wirkliche Authentizität für Mitarbeiter und Führungskräfte eines Unternehmens im Web 2.0 überhaupt möglich? Auch auf talkabouts Posterous entspann sich vor Kurzem eine sehr interessante Diskussion um das Thema  „inszenierte Authentizität“. Ein Widerspruch in sich, der deutlich zeigt, wie schwierig es ist, wirklich „echt“ zu sein und – noch wichtiger – auch so wahrgenommen zu werden.

Echtheitszertifikat für das WebDenn Authentizität bedeutet (laut Wikipedia), dass das Handeln einer Person nicht durch externe Einflüsse bestimmt wird, sondern aus der Person selbst stammt. Ein authentischer Mensch handelt nach seinen Werten auch wenn ihm dadurch Nachteile entstehen  und er hat die Bereitschaft, auch seine negativen Seiten zu offenbaren.  Er ist so wie er ist – und zwar immer. Egal unter welchen Umständen, denn sein Verhalten ist „frei von externen Einflüssen“.

Und hier beginnt für Mitarbeiter von Unternehmen im Web und im Real Life der Drahtseilakt. Denn sie selbst und auch ihre Gesprächspartner wissen ganz einfach, dass sie als eben dieser Mitarbeiter nicht frei von externen Einflüssen sein können, dass die Werte, die sie als Unternehmenssprecher vertreten nicht notwendigerweise zu 100 Prozent ihre eigenen sind und dass sie – auch bei größter Offenheit – allerlei Regeln unterliegen. Wirklich authentisch können daher nur wenige Menschen im Unternehmen sein, nämlich diejenigen, die sich komplett mit ihm identifizieren und es tatsächlich verkörpern – und verantworten. Diejenigen, die die Entscheidungsfreiheit haben, durch ihr Verhalten auch Nachteile für das Unternehmen in Kauf zu nehmen. Aber selbst dann bleibt es schwierig.

Anstatt Authentizität anzustreben wäre es daher vielleicht sinnvoller zu versuchen, kongruent zu sein. Abgeleitet vom lateinischen „congruens“ bedeutet der Begriff soviel wie „übereinstimmend“, „passend“. Auf Personen angewendet versteht man unter Kongruenz  die Übereinstimmung von Fühlen, Denken und Handeln, die Übereinstimmung von verbaler und nonverbaler Aussage. Für Mitarbeiter eines Unternehmens heißt dies, sich im Einklang mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Position und der Situation zu verhalten. Hier geht es nicht um das bedingungslose „Echtsein“, sondern darum, die internen und externen Einflüsse angemessen in das Verhalten und die Kommunikation einfließen zu lassen. Kongruenz erlaubt es, sich als Teil eines Systems zu erkennen zu geben und dennoch in jeder Situation menschlich zu sein und Persönlichkeit zu zeigen.

Oder wie Virginia Satir es erklärt „Manchmal werden Sie auch intellektuelle Gespräche führen, Vorträge abhalten, etwas erklären oder Anweisungen geben, wobei exakter verbaler Ausdruck wichtig ist. Kongruentes Verhalten in diesem Bereich bedeutet, dass Sie, während Sie etwas erklären, ungehindert ihre Gefühle zeigen können und sich frei zu bewegen vermögen. Sie reagieren dann nicht wie eine Maschine“.

Ich denke damit wäre für viele Unternehmen im Social Web (und generell) schon viel gewonnen. Denn, je stärker die Kongruenz, desto größer die Ausstrahlung und die Überzeugungskraft einer Persönlichkeit.

2 Kommentare zu “Mal echt jetzt: Kongruenz als Alternative zur Authentizität”

Trackbacks

  1. [...] Es wurde auch bereits vorgeschlagen, weniger authentisch zu sein, dafür aber kongruent (Mal echt jetzt: Kongruenz als Alternative zur Authentizität). [...]

  2. [...] truth, authenticity or congruency – what ever it is to be a good leader in the end what’s really essential is the diversity of [...]

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