Die Nachricht entsteht beim Empfänger. Gerade im Umgang mit Influencern ist es wichtig, die Perspektive zu wechseln und sehr genau zuzuhören, was für den Ansprechpartner relevant, nützlich und akzeptabel ist. Bei den Vorbereitungen zum Influencer Relations 2.0 Workshop bei den Social Media Strategietagen fiel mir daher auch mein Interview mit dem IT-Blogger Caschy wieder in die Hände. Ich hatte es letztes Jahr für ein Buchprojekt für den Deutschen Analyst Relations Arbeitskreis (DARA) geführt. Dabei haben wir auch darüber gesprochen, wie er mit Anfragen von Unternehmen umgeht und was er von Ihnen erwartet. Aus Copyright-Gründen kann ich hier leider nur Auszüge des Interviews wiedergeben. Aber ich habe einige in diesem Zusammenhang interessante Passagen ausgewählt:
DARA: Wie entscheidest du, worüber du schreibst? Wer oder was inspiriert dich?
Caschy: Ich entscheide subjektiv und aufgrund meiner persönlichen Interessen. Es geht mir dabei weniger darum, mit Hype-Themen oder Nachrichten Aufmerksamkeit zu generieren, sondern authentisch zu sein. Dazu gehört auch mal ein witziges Video zwischendurch. Inzwischen kenne ich viele meiner Leser persönlich. Dadurch habe ich natürlich auch ein besseres Gespür dafür, was sie interessiert.
DARA: Schreibst du dann eher über die Themen, die dich interessieren oder von denen du erwartest, dass sie deine Leser interessieren?
Caschy: Ich denke, es bedingt sich gegenseitig. Meine Leser sind auf meinem Blog, weil wir gemeinsame Interessen haben. Meine Community ist sehr aktiv und tauscht sich auch untereinander aus. Es kommt also gar nicht immer nur auf mich und meine Interessen an.
DARA: Wer sind deine Leser? Sind darunter auch Firmenvertreter aus PR/AR?
Caschy: Schüler, Büroangestellte, IT-Administratoren, Ärzte, Firmen- und Pressevertreter: Das Publikum auf Caschys Blog ist sehr bunt. Und ich behandle alle gleich. Eine Anfrage über XING ist für mich nicht anders als eine über Facebook. Und ich duze jeden sofort (lacht). Damit müssen die Leute leben, wenn sie mit Bloggern zu tun haben.
DARA: Wie unterscheidet sich deiner Meinung nach ein Blogger von einem Online-Journalisten?
Caschy: Ich denke Online-Journalisten haben in der Regel mehr Druck, den Erfolg ihres Tuns nachzuweisen. Entweder müssen sie als Angestellte eines Verlages ihr Gehalt wieder erwirtschaften oder sie müssen sich als freie Online-Journalisten darüber finanzieren. Das ist bei den meisten Bloggern nicht gegeben.
DARA: Würdest du dich selbst als einflussreich bezeichnen? Wenn ja, worin besteht dein Einfluss?
Caschy: Ich kann zu hundert Prozent hinter dem stehen, worüber ich berichte. Und nach mehr als fünf Jahren, die mein Blog mittlerweile besteht, können die Leser mich sehr gut beurteilen. Diese Authentizität führt denke ich dazu, dass viele Menschen meiner Meinung in Sachen Hard- und Software vertrauen. In diesem Sinne habe ich sicher etwas Einfluss. Den möchte ich aber nicht überbewerten.
DARA: Wie sind bislang deine Erfahrungen mit Unternehmensvertretern? Sprechen sie dich regelmäßig an oder passiert das eher selten? Und welche Unternehmen tun dies vornehmlich?
Caschy: Kurioserweise wird die Ansprache durch Unternehmen weniger, je größer das Blog wird. Ich werde relativ selten, direkt von Unternehmen angesprochen. Den meisten Kontakte zu Unternehmen haben in der Regel die Hardware- und Mobilfunkblogs. Blogs, die über Software schreiben, werden seltener angesprochen.
DARA: Wenn du Kontakt mit Unternehmen hast, wovon ist der geprägt und was gefällt/missfällt dir daran?
Caschy: Es gibt Firmen, die es ganz gut machen. Sie antworten schnell, sind auf verschiedenen Kanälen erreichbar und haben einen dedizierten Ansprechpartner, der sich auch wirklich kümmert. Leider gibt es aber auch immer noch viele Negativbeispiele. Am meisten ärgert es mich, wenn die Ansprechpartner nicht wirklich weiterhelfen können, weil sie entweder nicht qualifiziert oder nicht in der Lage sind, schnell den richtigen Gesprächspartner oder die gewünschte Information zu finden. Zudem finde ich es schade, wenn Unternehmen sich Social Media auf die Fahnen schreiben, es dann aber nicht leben. Als Blogger möchte ich ein Unternehmen auch über Twitter, XING, Facebook und Co. kontaktieren können und nicht nur durch einen Anruf bei der Pressestelle.
DARA: Wenn Unternehmen dich ansprechen wollen, weil sie denken ein für dich interessantes Produkt/Lösung zu haben, was erwartest du von ihnen?
Caschy: Die Zusammenarbeit mit Usern und der „Crowd“ ist für Unternehmen sicher immer eine Herausforderung. Ein privater Blogger, der einen positiven Testbericht schreibt, hat in der Regel keinen anderen Gegenwert als das private Vergnügen des Schreibens. Ich erwarte daher von Unternehmen einen echten Mehrwert für mich und meine Leser. Das Angebot des Unternehmens sollte aktuell und nach Möglichkeit exklusiv, auf mich und mein Blog zugeschnitten von einem realen Ansprechpartner – und nicht per Massen-E-Mail – an mich herangetragen werden. Ich z.B. verlose gerne Software, die ich teste. So wird es für die Leser spannender. Das bedeutet aber auch, dass ich für einen Softwaretest vom Unternehmen nicht nur eine Lizenz, sondern fünf bis sechs benötige. Besonders angenehm und fruchtbar ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die sich auch aktiv durch Kommentare an meinem Blog beteiligen. Dadurch besteht ein tieferes Verständnis füreinander.
Nochmals vielen Dank für das Gespräch, Caschy. Wer noch mehr lesen möchte, das gesamte Interview gibt es im Buch “IT-Berater und Soziale Medien. Wer beeinflusst Technologiekunden?”.
