Eines meiner Lieblings-Tools aus dem Coaching von Veränderungsprozessen heißt „Wo bitte geht’s nach Norden?“. Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass Veränderung nicht immer anstrengend sein muss, sondern Gruppen sich nahezu mühelos selbst organisieren – wenn man die richtigen Rahmenbedingungen schafft.
Wie geht’s? Eine Gruppe – je größer, desto besser – wird gebeten, mutig zu sein, die Augen zu schließen und mit dem Finger nach Norden zu zeigen. Wenn die Teilnehmer dann die Augen wieder öffnen, zeigt sich in der Regel, dass offenbar sehr viele Wege nach Norden führen. Mit einer humorvollen Bemerkung lässt man das Thema dann ruhen und wendet sich anderen Seminarthemen zu. Einen oder zwei Tage späte (je nach Länge des Seminars) wiederholt man die Aufgabe unangekündigt. In der Regel zeigen jetzt die meisten Finger in dieselbe Richtung.
Was ist passiert? Die Teilnehmer haben sich – in den Pausen, beim Abendessen, Frühstück oder sonstigen Gelegenheiten - ausgetauscht und sich selbst organisiert. Auch ohne die zugrunde liegenden Erkenntnisse der Chaostheorie zu kennen.
Denn damit heterogene Gruppen auch in komplexen Anforderungen schnell handlungsfähig sind, braucht es „lediglich“ ein paar klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Im Seminar sind dies z.B. ein fester Ort / Raum, festgelegte Zeiten, Ziel und Fragestellung und kulturelle Regeln wie die Umgangsformen, Feedback-Kultur, etc.
Ich finde dieses Prinzip lässt sich sehr gut auf die Einführung von Social Media im Unternehmen übertragen. Auch hier ist es entscheidend, zuerst die Rahmenbedingungen klar und verlässlich zu definieren und zu kommunizieren. Dann können sich die Mitarbeiter die Fähigkeit der Selbstorganisation zunutze machen. So kann ein Unternehmen sich schneller neu organisieren und die nötigen Veränderungen mit weniger Anstrengungen bewältigen. Der eigentliche Kraftakt ist die Definition der Rahmenbedingungen. Denn dazu muss sich das Unternehmen wieder Gedanken über seine Geschäftsziele, seine Kultur, seine ungeschriebenen Gesetze und seine Erwartungen machen.
In zwei Wochen werden auf dem PR 2.0 Forum wieder Ideen, Konzepte und Erfahrungen zur Kommunikation mit und in sozialen Medien diskutiert. Für den Paneltag am 10. Februar habe ich die Session „Vom Kommunikationsmanager zum Kommunikationscoach – Welche Skills brauchen wir für die many-to-many Kommunikation“ angeboten. Ich fände es sehr spannend, dort zu diskutieren, wie wir die richtigen Rahmenbedingungen für das Enterprise 2.0 schaffen können und welche neuen Kommunikationsaufgaben damit verbunden sind.
